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Interview mit Roland Emmenlauer

Ein Talk über Wirbellose

Roland Emmenlauer ist in der Wirbellosenszene ein echtes Urgestein in der Aquaristik. Hauptberuflich züchtet er Aquarien-Schnecken, allen voran die beliebten Posthornschnecken (PHS) in verschiedenen Farbvarianten. Solltest du in einem Zoofachgeschäft mal eine solche Schnecke erstanden haben, stammt sie sehr wahrscheinlich ursprünglich von Roland. Der "Schneckenpfleger", wie er sich selbst auf Facebook nennt, ist äußerst gesellig, hilfsbereit und sehr gut vernetzt. Auf den üblichen Messen und Wirbellosen-Treffen trifft man ihn in der Regel an. Zudem ist er sehr hilfsbereit und steht auch Einsteigern der Aquaristik mit Rat und Tat zur Seite.

Aram Schneider (AS) hatte für Aquasabi die Möglichkeit, Roland Emmenlauer (RE) genauere Fragen zu stellen.

Das Interview

Roland Emmenlauer

AS: "Wie wird man professioneller Schneckenzüchter? Beschreibe doch mal deinen Werdegang."

RE: "Angefangen hat die Schneckenzucht als Lebendfutter für Flusskrebse, damit diese sich selbst mit Proteinen versorgen können. Ich habe dafür eine kleine Schneckenzucht mit kleinen amerikanischen Posthornschnecken angefangen. Die ersten Schnecken, die ich erstehen konnte, waren auf den ersten Blick unauffällig und schlecht gefärbt. Mit der Zeit kamen beim Nachwuchs aber auch einzelne farbige Tiere hoch. Meiner Frau haben die Farbigen gefallen, sie bat mich, diese zu selektieren.
Heute habe ich einen Output von bis zu 8.000 nahezu reinerbigen Posthornschnecken im Monat in der Hochsaison. Gelegentlich ist immer noch mal eine andere Farbe dabei, meist braun. Aber auch diese sind sehr schön. Ich vermehre aber immer nur so viele, wie ich auch sichere Abnehmer dafür habe. Das lässt sich über die Wassertemperatur und die Futtermenge steuern."

AS: "Was ist deine Lieblings-Wasserschnecke? Und warum?"

Lymnae stagnalis

RE: "Meine Lieblings-Wasserschnecke ist die Lymnae stagnalis Spitzschlammschnecke, auch liebevoll "Yoda-Schnecke" genannt. Wenn man sie sieht, ist der Spitzname selbsterklärend. Sie können an der Wasseroberfläche entlang gleiten und quer durch das Becken "schweben", so sieht das zumindest aus. Sie fressen unter anderem Wasserlinsen, weshalb sie sehr genügsam sind und mir dabei sogar Arbeit sparen."

AS: "Welche Tiere züchtest du neben den Schnecken außerdem noch?"

RE: "Weil wir umziehen wollten, hatte ich drastisch reduziert. Im Moment baue ich wieder weitere Nachzuchten auf. Ich pflege und vermehre aktuell Flusskrebse Cherax Pulcher, Zwergflusskrebse Cambarellus shufeldtii, Großarmgarnelen Macrobrachium peguense, zwei Arten Fische: Red Chest Endler Guppys und Koi-Guppys. Für mich selbst noch Zwergpanzerwelse Corydoras pygmaeus. Ich habe immer einen Schwarm in mindestens einem Becken. Ich finde sie wunderschön."

AS: "Wie sieht der Alltag eines Schneckenzüchters aus?"

RE: "Wir wechseln innerhalb von fünf Tagen mindestens rund 3.000 l Wasser. Posthornschnecken mögen saubere Becken und klares Wasser. Unser Schnecken-Futter machen wir überwiegend selbst nach einem speziellen Rezept in Bio-Qualität. Der Aufwand ist enorm, aber es lohnt sich. Außerdem wird jede einzelne Schnecke mit einer Lupe angeschaut, bevor sie unser Haus verlässt. Wir sind gut beschäftigt. Der größte Teil wird wöchentlich von einem Kurier abgeholt, einen Teil liefere ich persönlich aus."

AS: "Wie stehst du zum Thema "Schneckenplage im Aquarium"?"

RE: "Eine "Schneckenplage" ist ein Anfängerfehler. Konkret bedeutet das, dass zu viel gefüttert wird. Ohne Futter kein Leben. Ich steuere die Zucht ja selbst auch über die Fütterung."

Wirbellose

AS: "Mit deinem eBook und der Facebook Gruppe "Nano Aquarium für Anfänger" widmest du dich mit Tatkraft aber auch Humor der Gruppe von Einsteigern in der Aquaristik. Was hat dich dazu veranlasst, dieses Buch zu schreiben?"

RE: "Ich wurde immer wieder Zeuge von falscher Beratung, sogar in Fachgeschäften. Das gab mir sehr zu denken. Jedes Tier wurde zum Schwarm- oder Gruppentier erklärt, sogar Schnecken. Für jedes Problem wurde ein Mittelchen empfohlen, statt die Ursache zu finden und zu beseitigen. Ich habe nur ein einziges Fachgeschäft hier im Umkreis gefunden, wo artgerechte Haltung priorisiert wird und man lieber einen Kunden verliert, als von diesem vorbildlichen Duktus abzurücken. Ich kaufe immer noch Equipment und Fischfutter dort, einfach um das zu unterstützen, obwohl ich dafür fünfzig Kilometer bis nach Aulendorf fahren muss.
Das hat mich jedenfalls angetrieben, ein Büchlein zu verfassen – ohne erhobenen Zeigefinger und nah an der Praxis, so wie viele Anfänger das erleben und mit humorigem Duktus. Dass es so gut ankommt, hätte ich nicht erwartet. Ich habe ganz tolle Rückmeldungen bekommen. Leider hat sich kein Verlag gefunden, ich hätte gern eine gedruckte Version unter die Leute gebracht, weil der Ruf danach laut wurde.
Für die Gruppe habe ich ein wunderbares Admin-Team, die 99% der Moderation leisten. Das ist enorm viel Arbeit und zeitaufwändig, ich könnte das gar nicht mehr stemmen. Mir fehlt die Gruppe, aber Vertragstreue ist mir enorm wichtig, also muss ich mein Geschäft priorisieren."

AS: "Gerade im Aquascaping, aber auch in der Garnelenzucht wird gerne Soil-Bodengrund verwendet. Das saure und weiche Wasser kann jedoch gerade bei Schnecken zu Gehäuseschäden führen. Was würdest du hier für sinnvolle Tipps geben, um die Bedingungen für Schnecken zu verbessern?"

Blaue Posthornschnecke

RE: "Schnecken können ihren Bedarf wahlweise über die Wassersäule oder das Futter decken. Mir war schon früh aufgefallen, dass sie sich gegenseitig an die Häuser gehen, wenn sie schlecht ernährt werden. Ich habe viel durch Empirie gelernt. Ich habe schon als Kind getümpelt und viel beobachtet. Schnecken brauchen erstaunlich viel Protein. Für die äußerste Gehäuseschale, die das Exoskelett vor Korrosion schützt, brauchen sie zwingend proteinreiche Nahrung. Bekommen sie zu wenig davon, fressen Schnecken auch andere Schnecken. Die Kunst ist, sie so zu versorgen, dass auch große Populationen keinen Mangel erleiden, die Wasserchemie aber trotzdem nicht zu stark belastet wird."

AS: "Wenn Du dich für einen schönes Aquarientier oder für eine schöne Wasserpflanze entscheiden müsstest, was würdest du nehmen?"

RE: "Für ein Wassertier."

AS: "Vielen Dank für das Interview!"

Copyright für sämtliche Fotos im Artikel: Roland Emmenlauer