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Neben Bundpflanzen und Topfware hat sich die sogenannte in-vitro-Kultivierung von Aquarienpflanzen als Verkaufs- und Aufzuchtform in der Aquaristik mittlerweile als fester Standard durchgesetzt. Die in-vitro-Ware bietet viele Vorteile, wirft aber auch einige Fragen beim Aquarianer auf. In diesem Artikel möchten wir auf das Thema in vitro noch einmal genauer eingehen.
Der Begriff in vitro ist lateinisch und bedeutet übersetzt “im Glas”. Wissenschaftlich gesehen sind damit Vorgänge gemeint, welche außerhalb eines lebenden Organismus (in vivo) stattfinden. Für diese Arten von Experimenten oder Anzucht werden künstliche Umgebungen geschaffen, etwa in einer Petrischale oder einem Reagenzglas.
Bei der in-vitro-Vermehrung von Pflanzen werden einzelnen Zellen oder Pflanzenteile im Labor unter sterilen Bedingungen auf einem Nährmedium kultiviert. Hierbei können durch Zugabe von bestimmten Wachstumsregulatoren wie zum Beispiel Phytohormonen neue und intakte Pflanzen aus den kleinen Stücken generiert werden.
Diese können als Ausgangsmaterial für die weitere Vermehrung dienen, oder sie werden an
Gärtnereien und Kunden für die weitere Kultivierung unter Normalbedingungen ausgeliefert.
Die in-vitro-Kultur bietet im Vergleich zu klassischen Vermehrungsverfahren verschiedene Vorteile. So liegt beispielsweise die Vermehrungsrate deutlich höher, und die Kulturen sind frei von Pestiziden und unerwünschten Fremdorganismen wie Parasiten, Krankheitserregern, Schnecken, Planarien, Insektenlarven, Algen und lästigen “Unkräutern” wie Wasserlinsen. Vor allem für Garnelenhalter sind in-vitro-Pflanzen daher eine sehr gute Wahl. Diese Aquarienpflanzen brauchen nicht umständlich vorgewässert oder nach Schädlingen abgesucht zu werden. Darüber hinaus haben Pflanzen aus in-vitro-Kultur einige besondere Eigenschaften, welche man beachten sollte und die vor allem der speziellen Art der Kultivierung geschuldet sind. Auf diese gehen wir in der Folge genauer ein.

Ein Nährmedium für in-vitro-Pflanzen enthält alle erforderlichen Mikro- und Makronährstoffe, Vitamine, Phytohormone und Wasser. Abhängig von der Pflanzenart und der Methode der Vermehrung werden in der in-vitro-Kultur von Wasserpflanzen oft nur bestimmte Teile beziehungsweise Organe verwendet. Abgestimmt auf die jeweilige Art der Pflanze wird dann ein eigenes, spezielles Nährmedium benutzt. Dies bedeutet, dass sich die Kulturmedien bei verschiedenen Pflanzenarten durchaus stark unterscheiden können.
Je nach Pflanzenart und ursprünglichem in-vitro-Labor kann das Nährmedium mal in etwas festerer, aber auch in flüssigerer Form vorliegen. Zudem sind verschiedene Farbgebungen möglich. Über eine längere Standzeit kann sich das Nährmedium ebenfalls in seiner Konsistenz oder Farbe ändern. Dies hat jedoch keine negativen Einflüsse auf die Qualität der darin kultivierten Wasserpflanzen. In dem Artikel "Kulturmedium von in-vitro-Pflanzen" vertiefen wir dieses Thema und berichten über die verschiedensten Ausführungen und Veränderungen des Nährmediums.

In-vitro-Wasserpflanzen fallen in der Regel durch ihr zwergenhaftes Aussehen auf. Während Blätter und Stängel sehr klein sind, kann das Wurzelwerk dagegen überproportional groß ausgeprägt sein - oder aber es sind kaum bis gar keine Wurzeln vorhanden. Der zwergenhafte Wuchs ist durch die Beschaffenheit und Inhaltsstoffe des Nährmediums begründet. Es beinhaltet neben allen wichtigen Nährstoffen auch Zucker oder Aminosäuren, so dass die Pflanze bestimmte Teile ihres Stoffwechsels und somit auch die Größe ihrer Organe deutlich reduzieren kann. Auch der durch die Zugabe von Phytohormonen veränderte Hormonhaushalt der in-vitro-Aquarienpflanzen trägt zu diesem Kleinwuchs und dem “merkwürdigen” Wurzelwachstum bei.
Dieser sehr spezielle Habitus von in-vitro-Pflanzen mit dem extrem kleinem Wuchs und ungewöhnlicher Wurzelbildung ist jedoch kein Indiz für eine schlechte Qualität der betroffenen Pflanze oder lässt gar Rückschlüsse auf eine (zu) lange Lagerung oder das Alter der Pflanzen zu. Vielmehr sind dies normale Begleiterscheinungen, die nunmal aufgrund der besonderen Kulturform auftreten. Darunter fallen noch weitere Phänomene, wie zum Beispiel ein seltsam glasiges oder aufgequollenes Aussehen aufgrund von Hyperhydrie (übermäßiger Wasseraufnahme), braune oder farblose Blätter oder ungesundes Aussehen, vor allem bei Moos. Mehr Informationen zu diesen Themen findest du in dem Artikel "Aussehen von in-vitro-Pflanzen".

Der große Vorteil bei der in-vitro-Kultur ist, dass die Pflanzen unter sterilen Bedingungen herangezogen werden. Aquarienpflanzen in dieser Form können daher als frei von Pestiziden, Schädlingen, Fremdpflanzen, Algensporen und Krankheitskeimen verkauft werden. Wird ein in-vitro-Topf zum Beispiel durch unsachgemäßen Gebrauch beschädigt oder geöffnet, kann jedoch eine Kontamination durch fremde Organismen stattfinden. Oft sind dies Schimmelpilze, Hefen oder Bakterien. Diese finden in dem Nährboden ideale Wachstumsbedingungen und können die Pflanzen durch Nährstoffentzug, aber auch durch das Absondern von Giftstoffen schädigen.
Daher ist beim Umgang mit in-vitro-Ware darauf zu achten, dass die Becher stets geschlossen und intakt bleiben. Auch sollten einmal angebrochene Sterilbecher vollständig aufgebraucht werden, sodass keine Pflanzenbestände übrig bleiben und längere Zeit in einem bereits geöffneten Topf mit Nährmedium verweilen.
Wir bei Aquasabi achten beim Versand der Pflanzen besonders gut darauf, dass die in-vitro-Becher ordentlich verpackt werden und den Transport möglichst unbeschadet überstehen.
Du möchtest mehr über einen solchen Befall bei in-vitro-Pflanzen erfahren? Dann stöbere doch in unserem Artikel "Kontaminationen von in-vitro-Pflanzen" in unserer Aquascaping Wiki.
In-vitro-Pflanzen für den aquaristischen Markt werden in einem fest verschlossenen Behältnis mit dem passenden Nährmedium gezogen. Solange dieses in sich geschlossene Ökosystem intakt bleibt (keine beschädigte Hülle oder geöffnete Deckel), bietet diese Verkaufsform viele Vorteile. Für den Händler entfällt das aufwendige Umsetzen und Kultivieren in einer Pflanzenverkaufsanlage. Wenn in-vitro-Pflanzen kühl gelagert (vorzugsweise leicht unter 20°) und mit ausreichend Licht für ihre Photosynthesetätigkeit versorgt werden, kann die in-vitro-Ware durchaus eine längere Zeit ohne großen Pflegeaufwand in den Sterilbechern überleben. Wie lange sich die in-vitro-Pflanze darin hält, ist von den äußeren Bedingungen abhängig, aber auch von der jeweiligen Pflanzenart. Langsam wachsende Pflanzen wie Moose oder Cryptocorynen sind recht lange in der in-vitro-Kultur haltbar. Anders sieht es bei typischen Stängelpflanzen aus, diese wachsen relativ schnell und verbrauchen auch zügig ihre Nährstoffe. Solche Pflanzenarten sollten daher baldmöglichst in ein Aquarium eingesetzt werden.
Da die Sterilbecher unbedingt intakt bleiben müssen und sich in ihnen recht lose und leichte Gegenstände befinden (Pflanzen und Nährmedium), gestaltet sich der Versand von in-vitro-Ware um einiges schwieriger als der von herkömmlichen Pflanzen. Wir bei Aquasabi sind uns dieses Umstandes bewusst und achten beim Verpacken der in-Vitro-Becher besonders auf eine ausreichende Polsterung. Dennoch kann es durch einen turbulenten Paketversand dazu kommen, dass sich mitunter in-vitro-Dosen öffnen und es dadurch zu einer Kontamination kommen kann. Deshalb ist stets zu empfehlen, dass der Aquarienbesitzer nach Erhalt der Ware die Pflanzen innerhalb weniger Tage verwendet und auch restlos aufbraucht.

Der folgende Umstand sollte jedem Käufer von in-vitro-Pflanzen außerdem bewusst sein, vor allem wenn ein Kauf über eine Online-Shop mit anschließendem Paketversand erfolgt: Durch die losen Gegenstände und entsprechend viel Leerraum innerhalb der in-vitro-Becher können diese durch den Transport ordentlich durchgeschüttelt werden. Aufgrund dessen kann es dazu kommen, dass sich Nährgel und Pflanzen stark miteinander vermischen, oder aber, dass die über die Bodenfläche des Bechers gewachsenen Pflanzen enger zusammengerückt werden, sodass die Pflanzenportion deutlich kleiner aussieht. Beide Fälle stellen jedoch keinen Qualitätsverlust der Ware dar, schließlich sollte das Nährgel so oder so von den Pflanzen abgewaschen werden. Um das Einpflanzen zu erleichtern, wird eine Pflanzenportion später ohnehin in kleinere Stücke unterteilt und aufgelockert (siehe auch "Wasserpflanzen vorbereiten").
Weitere Informationen zum Thema Versand und Lagerung von in-vitro-Pflanzen findest du hier.

Selbstverständlich lassen sich auch Aquarienpflanzen aus in-vitro-Kultur emer bei einem Dry Start oder in einem Wabi-Kusa nutzen. Die meisten Pflanzenarten, welche in vitro kultiviert wurden, sind in der Regel bereits in ihrer Überwasserform und können daher gut emers weiter wachsen. Allerdings ist zu beachten, dass in-vitro-Wasserpflanzen in der abgeschlossenen Umgebung ihres Sterilbechers eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit (konstant nahezu 100%) gewohnt sind. Beim Verpflanzen in eine andere Umgebung sollte der Aquarianer daher darauf achten, die Luftfeuchtigkeit in den ersten Wochen möglichst hoch zu halten.
Aufgrund der speziellen Kulturform sind in-vitro-Pflanzen weniger robust gegen Schimmel- und Bakterienbefall oder sonstige Einflüsse von außen. Hier haben emerse Topfpflanzen einen deutlichen Vorteil.
Nichtsdestotrotz sind ein Dry Start, das Bepflanzen eines Wabi-Kusas oder sonstige emerse Verwendungen von in-vitro-Wasserpflanzen möglich. Auf die jeweiligen Rahmenbedingungen gehen wir nun noch etwas genauer ein.
Bei einem sogenannten Dry Start wird ein Aquascape ganz normal mit Bodengrund, Steinen und Wurzeln eingerichtet und bepflanzt. Allerdings wird das Becken anschließend nicht sofort geflutet, sondern zum Beispiel mit Folie abgedeckt, sodass das Innere gut feucht gehalten werden kann. Die Pflanzen wachsen dann in ihrem emersen Zustand weiter und können in Ruhe anwurzeln. Wie genau diese Prozedur vonstatten geht, haben wir in diesem Artikel genauer beschrieben. Auch mit in-vitro Pflanzen ist ein solcher Dry Start möglich, wenn man die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft. Hier ist in den ersten Wochen auf eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit zu achten, welche durch das Einsprühen der Pflanzen und eine möglichst dichte Abdeckung in diesem Zeitraum erzielt werden kann. Da in-vitro-Pflanzen empfindlicher gegen Bakterien- und Schimmelbefall sind, sollte der Aquarianer hier mit besonderer Fürsorge vorgehen.
Auch ein Wabi-Kusa ist eine weitere hübsche Möglichkeit, Wasserpflanzen emers weiter zu kultivieren. Du weisst nicht, was ein Wabi-Kusa ist? Dann klicke hier. Ähnlich wie beim Dry Start sind beim Aufbau eines Wabi-Kusas die gleichen Vorkehrungen zu treffen, wenn man in-vitro-Ware benutzen möchte. Auch hier sollte in der ersten Zeit eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit angestrebt werden. Das Glasgefäß des Wabi-Kusa wird dazu mit einer Frischhaltefolie möglichst luftdicht verschlossen. Nach einigen Wochen, wenn die Pflanzen sich umgestellt haben, kann man den Halt der Folie nach und nach lockern und eine reduzierte Luftfeuchte anstreben.
Weitere Information zu den Themen Dry Start und Wabi-Kusa findest du in diesem Artikel in unserer Aquascaping Wiki.

Wasserpflanzen aus in-vitro-Kultur lassen sich sehr einfach für das Einpflanzen in das Aquarium vorbereiten. Im Gegensatz zu Topfware entfällt hier das lästige Herausarbeiten der Pflanzen aus der Steinwolle. Das Wichtigste ist das Entfernen des Nährmediums, welches sich unter leicht temperiertem, fließendem Wasser abspülen oder in einem längeren Wasserbad ohne weiteres Zutun auflösen lässt.
Je nach Pflanzenart empfiehlt sich das Aufteilen eines Becherinhalts in kleinere Einzelpflänzchen oder Portionen. Hierdurch wird das Einsetzen der Pflanzen wesentlich einfacher und der Inhalt in Bezug auf die begrünte Fläche wesentlich ergiebiger. Dies ist vor allem bei bodendeckenden Pflanzen zu beachten.

Weitere Tipps und Tricks zum Einpflanzen und Vorbereiten von in-vitro-Pflanzen findest du in unseren Artikeln "Vorbereitung von in-vitro-Pflanzen" und "Wasserpflanzen vorbereiten".

Die in-vitro-Kultur von Pflanzen ist ein sehr komplexes Thema mit vielen artspezifischen Besonderheiten, das selbst mit einem umfangreichen Artikel wie dem vorliegenden nicht erschöpfend behandelt werden kann. Am Ende der Kultur, wenn der Verkaufsbecher zum Bepflanzen des Aquariums geöffnet wird, verbleibt als entscheidendes Kriterium jedoch stets nur die Vitalität der jeweiligen Pflanze. Viele Auffälligkeiten von in-vitro-Bechern, wie etwa ein verfärbtes Kulturmedium oder ein ungewöhnlicher Habitus der Pflanzen, erklären sich direkt aus den besonderen Kulturbedingungen. Diese Pflanzen können im Aquarium in der Regel trotzdem vollkommen bedenkenlos verwendet werden.
Pflanzen aus in-vitro Kultur bieten viele Vorteile. Die Freiheit von Algen, Keimen, Schädlingen und Fremdpflanzen ist einzigartig und macht den Einsatz dieser Wasserpflanzen vor allem in Aquarien mit Wirbellosenbesatz sehr einfach und sorgenfrei. Schließlich werden auch auf Pestizide und andere Stoffe, welchen Garnelen schädigen könnten, verzichtet, das lästige Vorwässern der Pflanzen entfällt deswegen. Weitere Unterschiede zwischen in-vitro- und Topfpflanzen haben wir in diesem Artikel übrigens schon genauer beschrieben.
Sollte die sofortige Verwendung der Pflanzen einmal nicht möglich sein, so können in-vitro-Pflanzen ungeöffnet einige Tage bis zu ihrem Einsatz überdauern. Bevorzugen sollte man für diese kurzzeitige Zwischenlagerung moderates Licht und eine eher kühle Raumtemperatur.
Allerdings sollten dem Käufer auch die Nachteile bewusst sein. Oft scheitert die Zufriedenheit des Kunden an einer falschen Erwartungshaltung. Schaut man sich an, wie in der Zeit vor der in-vitro-Ware und emerser Topfware Wasserpflanzen verkauft und verwendet wurden, stellt man fest, dass es sich in der Regel um submers gezogene Bundware handelte, welche sich nicht erst auf die Bedingungen unter Wasser umstellen musste. Hier galt damals nach ein wenig das “Gekauft wie gesehen”-Prinzip, man suchte sich nach optischen Gesichtspunkten etwas aus und exakt in diesem Erscheinungsbild wuchsen die Pflanzen dann erst einmal weiter. Bei emersen Topfpflanzen kam neu dazu, dass die Pflanzen sich für die Haltung unter Wasser umstellen mussten. Aber in der Regel bekam der Käufer hier auch immer eine “ordentliche Portion” in Form eines üppig bewachsenen Topfes. Bei der heutigen in-vitro-Ware ist der Unterschied zur traditionellen Bundware noch extremer, und es entsteht aufgrund der besonderen Kulturform eine teilweise enorme Differenz zwischen dem Aussehen und der Größe der Pflanzen bei Auslieferung und der Optik der Wasserpflanzen nach einigen Wochen, wenn die sich vollkommen auf ihre Unterwasserform umgestellt haben. Dies ist natürlich auch artabhängig und kann daher mal mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Dennoch sollte man sich beim Kauf von in-vitro-Wasserpflanzen von der Erwartung verabschieden, dass man von der Größe und vom Umfang her ähnliche Pflanzen erhält wie bei submers gezogenen Aquarienpflanzen. Vielmehr sollte man in-vitro-Ware eher als Sämlinge oder Jungpflanzen verstehen, welche man noch etwas aufziehen muss, bevor sie ihre volle Schönheit und Fülle entfalten können.
Die physiologischen Besonderheiten von in-vitro-Pflanzen führen nach dem Einpflanzen in das Aquarium oftmals zu einer verlängerten Wuchsumstellung. Während dieser Anpassungszeit stagniert das Wachstum, und es kann bei manchen Pflanzen sogar zu einem scheinbaren Absterben kommen. Im Normalfall erfolgt aus den alten Stängeln und Rhizomen jedoch bald ein vitaler Neuaustrieb von an das submerse Wachstum angepassten Trieben. Hier ist lediglich etwas Geduld gefragt!