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Das Holland-Aquarium

Alle wichtigen Infos über den Dutch Style

Im Gegensatz zum Naturaquarium oder dem Aquascaping verfolgt das Holland-Aquarium einen ganz eigenen Weg bei der Gestaltung eines Aquariums mit Wasserpflanzen. Worum es bei diesem speziellen Typ des Pflanzenaquariums geht, stellen wir in unserem Artikel hier genauer vor.

Zur Geschichte des Holland-Aquariums

Der "Dutch Style" oder das Holland-Aquarium ist ein bestimmter Stil in der Pflanzenaquaristik, der seine Ursprünge in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat. Typisch sind nicht nur das Layout-Design im Aquarium, sondern auch bestimmte Komponenten bei der verwendeten Aquarientechnik und der Ausstattung. Typisch für die damalige Epoche waren etwa rustikale Holzvertäfelungen um das Becken herum, die das Aquarium passend zur Wohnzimmereinrichtung machten. Während die Aquaristik bis dahin ihren Fokus mehr auf die Fischhaltung legte, setzte sich der holländische Stil mehr mit dem Thema der erfolgreichen Haltung von Wasserpflanzen in einem Aquarium auseinander. Technische Errungenschaften, die bis dato kaum eine Rolle gespielt hatten, sind auf die Entwicklung der Holland-Aquarien zurückzuführen, wie etwa eine passende, lichtintensive Aquarienbeleuchtung, die Kohlenstoffdüngung per CO2 sowie die regelmäßige Zufuhr von wichtigen Nährstoffen per Flüssigdüngern und Bodengrunddüngern.
Holländische Pflanzenaquarien sind als Stilform in der Aquaristik wesentlich älter als die von Takashi Amano begründete Naturaquaristik und das Aquascaping an sich, und diese Pflanzenaquarien erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit.

Merkmale des Holland-Aquariums

Nano Aquarium im Dutch Style

Ein Holland-Aquarium wirkt weniger natürlich als ein Naturaquarium, man könnte es eher mit einem künstlich angelegten Blumenbeet zu vergleichen. Das muss in der Tat nichts Schlechtes bedeuten, der Ansatz und die Ästhetik sind nur komplett anders. Für Holland-Aquarien gibt es bei der Gestaltung gewisse Regeln, welche es zwar zu befolgen gilt, die man aber mehr oder weniger streng auslegen kann. Wer jedoch in einem Wettbewerb für Holland-Aquarien mitmachen möchte, der sollte die dafür notwendigen Regeln kennen und einhalten. Bereits im Jahre 1956 wurden von der Holländischen Gesellschaft für Aquaristen (NBAT) bestimmte Richtlinien festgelegt. Diese besagen, dass pro 10 Zentimeter Kantenlänge nur eine Pflanzenart verwendet werden darf, die sich auch nicht an einer anderen Stelle wiederholen darf.
Die Auswahl der verwendeten Wasserpflanzen erfolgt in erster Linie nach der Größe, Farbe und Blattform. Das Gesamtlayout sollte Harmonie ausstrahlen, aber auch Abwechslung und deutliche Strukturen durch sich voneinander abhebende Pflanzengruppen aufweisen. Diese werden dabei in den für Holland-Aquarien typischen Pflanzstraßen gesetzt, die auch Leidener Straßen genannt werden.

Die Aquarienpflanzen werden nach Größe nach hinten ansteigend in diagonalen Linien angeordnet, die den räumlichen Tiefeneffekt in der Gestaltung unterstützen sollen. Die einzelnen Pflanzengruppen sind deutlich voneinander abgesetzt (durch kleine frei gehaltene Zwischenräume) und wachsen nicht dicht an- oder gar ineinander.

Zwischenräume

Frisch gesetzte Kopfstecklinge nach dem Prinzip des Holland-Aquariums mit deutlich zu sehenden Zwischenräumen.

Benachbarte Pflanzengruppen sollen sich möglichst in punkto Blattform und Ausfärbung unterscheiden. Die seitliche und hinteren Glasscheiben des Aquariums sollten nach Möglichkeit nicht zu sehen sein, sondern durch die Wasserpflanzen möglichst gut verdeckt werden. Zum Teil werden zum Kaschieren des Hintergrundes auch Moos-Rückwände benutzt. Hin und wieder wird jedoch ein kleiner Teil mit Sicht auf die Rückwand freigelassen, der wie ein Fluchtpunkt für da Auge wirkt - auch wenn dies den strengen NBAT-Regeln im Prinzip widerspricht.
Bei der Platzierung und dem Erschaffen von Tiefe und Kontrast spielt der goldene Schnitt auch im Holland-Aquarium eine große Rolle. Hier können zum Beispiel besonders intensiv rot gefärbte Pflanzen mit prominenter Blattgröße an geeigneten Stellen für Fokuspunkte sorgen.

Hardscape im Holland-Aquarium

Hardscape im Pflanzenaquarium

Im Gegensatz zu Naturaquarien und Aquascapes stehen bei Holland-Aquarien die Wasserpflanzen noch mehr im Vordergrund, und Dekorationsmaterialien wie Steine oder Wurzelholz werden kaum bis gar nicht verwendet. Teilweise dient das Hardscape bei dieser Stilrichtung der Pflanzenaquaristik lediglich zur groben Strukturierung des Layouts und als Besiedlungsfläche für Aufsitzerpflanzen und Moose. Steine und Wurzeln werden dabei meist stark von Aquarienpflanzen verdeckt oder gar vollständig überwachsen.

Fischbesatz im Holland-Aquarium

Streng nach den Regeln des NBAT sollten immer mindestens 12 Exemplare derselben Fischart zusammen in dem Aquarium gehalten werden. In Holland-Aquarien ist der Fischbesatz eher puristisch und weniger bunt und durcheinander als in einem klassischen Gesellschaftsaquarium. Stattdessen setzt man auf den tollen Effekt eines stattlichen Schwarms einer schwarmbildenden Fischart, wie sie etwa viele südamerikanische Salmler-Arten darstellen. Auch hier wird noch einmal deutlich, dass der Fokus in dieser Form der Aquaristik deutlich mehr auf den Wasserpflanzen liegt: Ein Prinzip, welches später sich auch in der Naturaquaristik und im Aquascaping wiederfand.

Trimmtechniken im Holland-Aquarium

Regelmäßiges Trimmen und ein ebensolcher Rückschnitt sind in einem Holland-Aquarium von essentieller Wichtigkeit. Die verschiedenen Pflanzengruppen brauchen ein sauberes Erscheinungsbild mit klaren Abgrenzungen zu den benachbarten Gruppen. Wichtig ist auch, die Höhe der Wasserpflanzen vor allem im Mittelgrund und Hintergrund der Gestaltung zu erhalten. Die Triebspitzen innerhalb einer Gruppe sollen ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Zu diesem Zweck bedient man sich einer speziellen Trimmtechnik, bei der für den Rückschnitt Kopfstecklinge in gewünschter Länge abgeschnitten und neu eingesetzt werden. Die unteren, abgetrennten Triebe werden meist aus dem Bodengrund herausgezogen und anschließend entfernt. Diese Rückschnitt-Methode unterscheidet sich deutlich von der meist im Aquascaping angewendeten Vorgehensweise, bei der man die unteren Pflanzenteile stehen lässt und eher die Kopfstecklinge aus dem Aquarium entfernt.

Wasserpflanzen im Holland-Aquarium

Rotala macrandra

Sehr gerne werden in einem Pflanzenaquarium nach holländischem Vorbild schnellwachsende Stängelpflanzen verwendet, da dieser Aquarienpflanzen-Typ eine extrem große Vielfalt an Farben, Blattgrößen und Wuchsformen bietet. Nichtsdestotrotz unterscheidet man in der Holland-Aquaristik zwischen den drei Gestaltungsebenen (Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund) im Layout, so dass auch Bodendecker und langsam wachsende Arten für den Mittelgrund verwendet werden.
Abschließend haben wir eine kleine Auflistung populärer Wasserpflanzen-Arten für sämtliche Gestaltungsbereiche im Holland-Aquarium zusammengefasst.

Vordergrund:

Im Vordergrund werden gerne bodendeckende Arten verwendet, die sich allerdings weniger durch Ausläufer vermehren sollten, damit die Pflanzengruppe besser in Zaum gehalten werden kann. Beliebt sind hier daher eher solitär wachsende Arten oder niedrig bleibende Stängelpflanzen. Zum Beispiel:

Mittelgrund

Auch für den Mittelgrund eines Holland-Aquariums sind Stängelpflanzen populär, die entweder eher niedrig wachsen oder durch geschicktes Trimmen auf einem niedrigem Niveau gehalten werden. Nachfolgend findest du einige Beispiele:

Hintergrund

Im Hintergrund des Holland-Aquariums kann man natürlich aus dem Vollen schöpfen und aus dem großen Angebot der Stängelpflanzen auch viele hohe und breitblättrig wachsende Arten verwenden. Hier findest du einige besonders herausstechende Arten aufgeführt.