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Soil und hartes Leitungswasser

Was man beachten sollte

Aktiver Soil-Bodengrund stammt ursprünglich aus Japan und wird gerne in der Weichwassergarnelenzucht oder aber in Pflanzenaquarien beziehungsweise Aquascapes eingesetzt. Für beide Zwecke sind saure und weiche Wasserparameter in Form von einem leicht sauren pH-Wert und einer geringen Wasserhärte ausschlaggebend, wobei das Soil dafür ausgelegt ist, diese Wasserwerte zu erreichen und auf diesem Niveau zu halten. Was aber passiert, wenn solch ein Soilsubstrat auf deutsches Leitungswasser trifft? Mehr dazu in unserem Beitrag hier.

Was ist Soil, was kann Soil

Soilboden

In unserem Artikel über Soil haben wir bereits erklärt, was es mit diesen speziellen Aquarien-Bodengründen auf sich hat. Herausstechend sind hierbei die Merkmale eines aktiven Substrates, welches durch Kationentauschfähigkeit in der Lage ist, die Wasserwerte im Aquarium aktiv zu beeinflussen. Es findet eine Enthärtung durch die Aufnahme von Calcium und Magnesium statt. Folglich sinkt dadurch die Gesamthärte (GH) des Aquarienwassers. Durch die Abgabe von Wasserstoff-Ionen pendelt sich der pH-Wert in einem sauren Bereich ein, zusätzlich wird die Karbonathärte (KH) auf ein niedrigeres Niveau gebracht.

Der Aquarianer erhält durch das Soil somit weiche und saure Wasserparameter, die für viele Wasserpflanzen aber auch Weichwasserfische und Garnelen optimale Bedingungen erzeugen. Zumal mit Nährstoffen angereicherte Soils die Aquarienpflanzen auch noch mit wichtigen Nährstoffen versorgen.

Langlebigkeit von Soil

Wasserbewegung

Im Prinzip hängt der Langzeiteffekt von Soil von der Beschaffenheit des Wassers ab. Enthält dieses viele Kationen (wie zum Beispiel K, Mg2+, Ca2+), finden auch in erhöhtem Maße Tauschprozesse in den Soilkugeln statt. Der Bodengrund ist dann schneller erschöpft an Nährstoffen und nimmt viele Härtebildner wie Calcium und Magnesium auf. Folglich ist die Langzeitwirkung von Soil bei weichem Wasser deutlich länger, als bei Aquarienwasser mit einer hohen Gesamthärte.

Soil und hartes Leitungswasser

Das deutsche Leitungswasser lässt sich sicherlich nicht über einem Kamm scheren, zu verschieden sind dann doch die regionalen Unterschiede. Stark verallgemeinert ist das Wasser in Deutschland jedoch eher mittelhart bis hart, besitzt also eine hohe Gesamthärte (GH) und Karbonathärte (KH). Es ist somit sehr reich an Mineralien wie Calcium und Magnesium, sowie an Karbonaten.
Zum Vergleich: Das Wasser in Japan, Niigata, der Standort der ADA Gallery, ist sehr weich und sauer. Als Referenz ist hier eine ältere Wasseranalyse aus Niigata aufgeführt:

  • pH: 6,8
  • TH: 20mg/l (entspricht etwa 1,12 °dGH)
  • NO3: nahe 0 (0 – 0,2)
  • PO4: nahe 0 (0 – 0,2)
  • NH4: nahe 0 (0 – 0,2)

(Quelle: Sayuri Amano)

Trifft nun ein mit vielen Mineralien ausgestattetes Wasser auf ein Soil, welches üppig mit Nährstoffen beladen wurde, so finden hier in kurzer Zeit und in großem Umfang Kationentauschprozesse statt, die eigentlich nur in geringen Mengen und über eine längeren Zeitraum ausgelegt wurden. Das Soil nimmt dann die vielen Mineralien aus dem Wasser auf, setzt aber aufgrund des Tauschprinzips dann auch in großem Umfang die darin enthaltenen Nährstoffe frei. Gerade in frisch eingerichteten Aquarien mit noch wenig Pflanzendichte kann es daher zu unerwünschtem Algenwuchs kommen.
Abhilfe schafft hier ein größerer Pflegeaufwand mit deutlich mehr und größeren Wasserwechseln, das Verwenden von Bakterienprodukten oder die Installation eines bereits eingefahrenen Filters. Dennoch "verbraucht" sich das Soil in diesen Fällen in recht kurzer Zeit, die Nährstoffdepots sind dann schnell erschöpft und der Bodengrund belädt sich mit Mineralien wie Calcium und Magnesium aus dem Wasser.

Ein Beispiel

Mini Landschaft - Seiryu - Ryuoh

Nehmen wir ein recht typisches Beispiel für ein Aquascape: Hier möchte der Aquariengestalter die sehr beliebten Seiryu-Stones für ein Iwagumi-Layout verwenden. Diese Steine verfügen über eine tolle Maserung und wirken optisch wirklich sehr schön. Leider enthalten sie auch Kalkeinschlüsse und härten daher das Wasser auf. Um den Pflanzenwuchs zu unterstützen, wird das sehr nährstoffreiche und ebenfalls sehr beliebte Aqua Soil Amazonia benutzt, eine CO2-Anlage ist ebenfalls angeschlossen. Die Bepflanzung ist für ein Iwagumi typisch, eher spärlich und nur aus ein paar langsam wachsenden Bodendeckerarten bestehend. Außerdem ist das Leitungswasser, welches in unserem Beispiel verwendet wird, sehr hart, mit einer Karbonathärte über 10 °dKH und einer Gesamthärte über 15 °dGH. Durch die Kombination der Kohlenstoffdüngung und der Verwendung von kalkhaltigem Gestein kommt es zusätzlich zu einer weiteren Aufhärtung des Wassers, da entstehende Kohlensäure mit dem Kalk in den Steinen reagiert. Durch das nun extrem harte Wasser sind eine Menge an Kationen vorhanden, die das nährstoffreiche Soil nun zum Tausch anregt. Dieses senkt den pH-Wert und baut Karbonat- und Gesamthärte ab. Im Gegenzug werden viele Nährstoffe freigesetzt, darunter auch viel Ammonium (NH4). Da die üppige Nährstofflage auf recht wenig Bepflanzung trifft, entsteht hier ein deutliches Ungleichgewicht, welches in einer Algenplage endet. Der Aquarienbesitzer ist hier natürlich sehr frustriert, obwohl er nur hochgradige Produkte für die Erstellung des Layouts verwendet hat. Die Ursache liegt hier aber in dem verwendeten Ausgangswasser.

Geeignete Maßnahmen

Sinniger ist es daher, von vorneherein weiches Wasser zu verwenden, um die Langlebigkeit des Soils deutlich zu verlängern. Dies kann durch Regenwasser oder demineralisiertem Wasser aus einer Umkehrosmose-Anlage oder einem Vollentsalzer geschehen.
Auch der Verzicht auf aufhärtendes Gestein kann schon einen sehr großen Effekt erzeugen. Hier haben wir eine Übersicht sämtlicher Steinsorten aufgeführt und beschreiben nochmal ausführlich für jede Steinsorte, ob sie kalkhaltig ist oder nicht.
Steht die Bepflanzung nicht in einem besonders großen Fokus, könnte man bei der Verwendung von aufhärtenden Steinen auch auf die CO2-Anlage verzichten. Einfach Pflanzenarten wie Moose, Farne, Anubien und Cryptocorynen sind sehr robust und kommen besser ohne eine Kohlenstoffdüngung aus, als etwa anspruchsvolle Stängelpflanzen und Bodendecker.

Natürlich kann man auch in diesen Fällen auf bestimmte Pflegemittel der Aquaristik zurückgreifen, die etwa den pH-Wert und die Wasserhärte senken. Welche Produkte hier sinnvoll sind, haben wir in unserem Artikel "Senkung des pH-Wertes" genauer beschrieben.

ADA - Softenizer

Copyright des Fotos - Aqua Design Amano - ADA.

Eine weitere und vor allem optisch sehr ansprechende Lösung für den Live-Betrieb ist der Softenizer aus dem Hause ADA. Diese hübsche Glasware wird mit einem Harz gefüllt und im Aquarium installiert. Das Produkt sorgt somit ständig für eine Enthärtung des Wassers durch ein Kationentauschprinzip.