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Schneckenplage im Aquarium
Aquarienschnecken - gut oder schlecht?

Für die einen sind sie eine Plage, für die anderen eine Bereicherung des Aquariums. Schnecken sind in der Aquaristik immer ein heiß diskutiertes Thema. Wir erklären euch hier die Vor- und Nachteile der Haltung von Schnecken in Aquarien.

Vorteile

Betrachtet man ein Aquarium als ein eigenständiges ökologisches System, so übernehmen Schnecken (und auch andere Wirbellose wie Garnelen) eine nützliche, geradezu unersetzliche Funktion. Sie ernähren sich nicht nur von Biofilmen und Aufwuchs und sind damit wichtige Algenfresser, sondern auch von dem ganzen "Dreck", der im Aquarium anfällt. Dazu gehören zum Beispiel Mulm, Fischkot, abgestorbene Pflanzenreste, Tierkadaver und nicht gefressene Fischfutterreste. All diese Dinge enthalten organische Stoffe, die die Wasserbelastung erhöhen und die Bakterienzahl im Wasser hoch treiben, wenn sie nicht verwertet werden. Schnecken fressen den organischen Müll. Als sogenannte Konsumenten verarbeiten sie Reste weiter und reichen sie in der Nahrungskette nach unten. Schlussendlich zerlegen Bakterien und andere Mikroorganismen - die Destruenten - danach die Reste in ihre mineralischen Bestandteile.

Blasenschnecke

Ein Aquarium mit Schnecken ist daher ökologisch gesehen ein wesentlich stabileres System und vom Gesamteindruck meist sauberer. Typische Arten, die häufiger in Aquarien vorkommen, sind Blasenschnecken (siehe Foto), Posthornschnecken und Turmdeckelschnecken. Oft werden sie beim Neukauf von Wasserpflanzen eingeschleppt.

Nachteile

Nicht wenige Aquarianer empfinden Schnecken allerdings als optisch störend, vor allem, wenn es zu einer massiven Vermehrung kommt — einer Schneckenplage. Dazu muss man sich vor Augen führen, dass ein explosionsartiges Wachstum immer mit den Rahmenbedingungen zu tun hat. Finden die Schnecken reichlich Nahrung, schlägt sich dies in der Populationsdichte nieder. Häufig kommt es vor allem in der Einfahrphase eines Aquariums auch zu einer Schneckenplage. In der Startphase kommt es immer wieder zu Wachstumsspitzen bei verschiedenen Algenarten, welche hervorragendes Schneckenfutter darstellen, was sich unmittelbar in der Vermehrung der Schnecken bemerkbar macht. In der Regel pendelt sich das Verhältnis später wieder ein: Durch ein geringeres Nahrungsangebot und Nahrungskonkurrenten geht die Population auf ein Normalmaß zurück.

Auch in Aquarien mit starkem Fischbesatz, in denen recht viel gefüttert wird, kann aufgrund des hohen Futtereintrages die Schneckenpopulation hoch sein. Werden die Wirbellosen als störend empfunden, sollte der Aquarien-Besitzer sein Fütterungsverhalten überdenken.

Paradiesschnecke

Je nach Schnecken-Art im Aquarium kann es vorkommen, dass Wasserpflanzen angefressen werden. Manche Apfelschnecken-Arten (zum Beispiel Marisa cornuarietis im Foto oben) sind ein klassisches Beispiel. Solche Schnecken können bis zu einem bestimmten Maß durch gezielte Gemüsefütterung (geschält, überbrüht oder getrocknet) oder durch spezielles Futter mit hohem pflanzlichen Anteil vom Pflanzenfressen abgehalten werden, ganz ausschließen kann man jedoch nie, dass nicht doch besonders zarte, schmackhafte Pflanzen angefressen werden.

Das Einschleppen von Schnecken vermeiden

Da Aquarienschnecken besonders häufig als blinde Passagiere in Wasserpflanzen eingeschleppt werden, kann man dieses Problem durch den Kauf von In Vitro-Ware elegant lösen. Hier werden die Pflanzen in sterilen Bechern kultiviert, sie sind somit frei von Schnecken, anderen Parasiten, Fremdpflanzen, Algen und Krankheitserregern.

Eine weitere Möglichkeit zur Vorbeugung stellt eine klassische Quarantäne dar. Neu erworbene oder privat ertauschte Wasserpflanzen kommen zunächst in ein gesondertes Quarantäne-Aquarium. Erst wenn ein Befall mit Schnecken oder deren Eigelegen ausgeschlossen ist, können sie nach dem Beobachtungszeitraum in das Schau-Aquarium gesetzt werden. In der Regel schlüpfen Schneckeneier nach ca. 7-14 Tagen, die Quarantäne sollte daher mindestens über drei bis vier Wochen durchgeführt werden. Ganz frisch geschlüpfte Schnecken sind sehr klein, man sollte ihnen also etwas Zeit zum Wachsen geben, damit man sie besser erkennen kann.

Manche Aquariener behandeln neu erworbene Aquarienpflanzen mit einem Kurzbad in Mineralwasser oder in einer Alaun-Lösung. Eventuell anhaftende Schnecken werden dadurch betäubt oder gar abgetötet. Wichtig ist, bei dem Umgang mit Chemikalien die entsprechenden Sicherheitsvorschriften zu beachten. Auch sollten damit behandelte Pflanzen gründlich gespült werden, bevor man sie ins Aquarium setzt. Schneckengelegen schaden diese Kurzbäder nicht, daher ist es empfehlenswert, nach einer solchen Behandlung dennoch eine Quarantäne von zwei Wochen abzuwarten und dann nochmals zu behandeln, damit eventuell geschlüpfte Schnecken beim zweiten Durchgang abgetötet werden.

Gegenmaßnahmen bei einer Schneckenplage

Bei einer störenden Massenvermehrung von Schnecken im Aquarium sollte der Aquarianer zunächst sehr kritisch seine Futtergewohnheiten überprüfen. Schneckenplagen kommen nicht aus heiterem Himmel, Schneckenplagen bekommt man durch ein Überangebot an Nahrung. Neben Maßnahmen zur Nahrungsreduzierung wie weniger oder hochwertigeres Futter zu füttern und abgestorbene Pflanzen zu entfernen, kann man zur unmittelbaren Reduzierung der Schnecken im Aquarium zu verschiedenen Maßnahmen greifen. Bitte bedenkt jedoch, dass Schneckenplagen immer eine Ursache haben. Wird diese Ursache (zu viel Nahrung) nicht abgestellt, kommen entweder die Schnecken wieder oder man holt sich andere Probleme wie übermäßigen Algenwuchs ins Aquarium.

Einzelne Exemplare lassen sich ganz simpel per Hand absammeln. Etwas effektiver ist es, wenn man vorher an einer bestimmten Stelle einen Köder auslegt, wie zum Beispiel eine Futtertablette. Hat der Köder nach einiger Zeit eine größere Anzahl von Tieren angelockt, lassen diese sich bequem absammeln, ohne dass man einzelne Schnecken überall im Aquarium suchen und herausfangen muss. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet eine Schneckenfalle, welche ebenfalls mit einem Köder ausgestattet wird. Nach ein paar Stunden kann man die Falle und die darin gefangenen Schnecken in einem Arbeitsschritt aus dem Aquarium entnehmen.

Des weiteren bietet sich der Besatz von Fressfeinden von Aquarien-Schnecken an. Dieser Schritt sollte jedoch gut überlegt sein, da diese Tiere auch bestimmte Haltungsanforderungen haben, denen man gerecht werden muss. Oft werden Kugelfische empfohlen, da diese sich von Schnecken ernähren. Man sollte jedoch bedenken, dass diese Tiere Nahrungsspezialisten sind. Mitunter können sie recht groß werden, und natürlich müssen Kugelfische nach dem Abklingen der Schneckenplage weiter mit Schnecken gefüttert werden. Ist dies nicht der Fall, können Kugelfische anderen Aquarieninsassen gegenüber recht aggressiv werden und Garnelen attackieren oder kleineren Fischen die Augen auspicken, oder aber sie verhungern oder verenden aufgrund fehlender Zahnabnutzung.
Ein weiterer Fressfeind: Die Raubturmdeckelschnecke Clea helena lebt räuberisch von anderen Schneckenarten und deren Laich. Aber auch Aas, Würmer oder anderes proteinhaltiges Futter gehören zu ihrem Speiseplan. Zu bedenken ist hier, dass man oft nur eine Schneckenplage gegen die nächste tauscht: Auch Clea helena vermehrt sich schneckengemäß bei einem hohen Nahrungsangebot ausgesprochen gut. Besser und nachhaltiger wäre es tatsächlich, der Ursache auf den Grund zu gehen und diese zu beseitigen, statt Schneckenfresser zu nutzen.

Raubturmdeckelschnecke

Besonders nützliche Schnecken für ein Pflanzenaquarium

Will man eine unkontrollierte Massenvermehrung vermeiden, aber dennoch nützliche Schnecken im Aquarium halten, bieten sich etliche Arten an, die sich nicht in einem Süßwasser-Aquarium vermehren können. Dazu gehören zum Beispiel Geweihschnecken (Clithon sp.) und Rennschnecken der Gattungen Neritina und Vittina.

Geweihschnecke

Clithon diadema

Zur erfolgreichen Vermehrung benötigen diese Arten Brackwasser. Ab und an sieht man an Scheiben oder Dekoration anhaftende weiße Eikokons. Aus diesen schlüpfen zwar Larven, diese entwickeln sich aber aufgrund der Wasserbedingungen in einem normalen Aquarium nicht zu Schnecken. Rennschnecken und Geweihschnecken sind ausgezeichnet gegen Algenbeläge. Kieselalgen, Punktalgen und sonstige grüne Algen- und Biofilme auf Steinen, Wurzeln und den Aquarienscheiben werden von diesen Tieren auf sehr effektive Weise vertilgt. Insofern empfiehlt es sich sehr, ein paar von diesen Exemplaren als Putztruppe im Aquarium zu haben. Zum Besatzdichte empfehlen wir dabei die Faustregel von einer Schnecke auf je 10 Liter Aquarieninhalt.

Copyright bei allen Schnecken-Bildern: Chris Lukhaup.