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Geweihschnecken versus Rennschnecken

Wer ist der beste Algenfresser?

Geweihschnecken der Gattung Clithon und Rennschnecken der Gattungen Neritina und Vittina werden in Aquarien und im speziellen in Aquascapes und Pflanzenaquarien gerne als Algenfresser eingesetzt, auch, weil sie sich im Aquarium nicht vermehren. Beide Schneckentypen sind dabei in der Aquaristik ähnlich populär, jedoch hab jede Art auch ihre besonderen Eigenheiten. Wir stellen diese Wasserschnecken in der Folge etwas genauer vor.

Geweihschnecken im Aquarium

Clithon Schnecke

Eine Schnecke der Gattung Clithon mit gut erkennbarem "Geweih". Copyright by Chris Lukhaup.

Geweihschnecken sind im Aquarium äußerst nützliche Algenfresser, die sich auf sehr effektive Weise Algenbeläge wie Kieselalgen, Punktalgen, Staubalgen und andere grüne Algenbeläge vertilgen können. Bei einem starken Algenbefall sind hierbei deutliche Fraßspuren an den Aquarienscheiben, auf der Technik und Dekoration zu sehen. Schnecken der Gattung Clithon zählen mit zu den effektivsten Algenfressern für ein Süßwasseraquarium. Zudem werden sie nicht sehr groß (ca. 2 cm) und können daher auch gut in Nano-Aquarien gehalten werden. Typisch für Geweihschnecken sind, wie ihr Name bereits vermuten lässt, die kleine "Geweihe", welche aus dem Schneckengehäuse ragen. Dabei handelt es sich um kleine dornartige Fortsätze aus Kalk, die aber ungefährlich sind. In der freien Natur dienen sie eventuell dazu, die Schnecke vor Fressfeinden zu schützen. Beim Zuwachs im Aquarium werden diese Fortsätze nicht mehr ausgebildet, und es gibt auch Geweihschnecken, die von Natur aus überhaupt keine Fortsätze haben. Brechen die Spitzen beim Transport ab, ist dies ebenfalls kein Grund zur Sorge. Die Schnecke spürt davon nichts, da diese kalkigen Fortsätze auf dem Gehäuse nicht von Nerven durchzogen sind. Geweihschnecken sind zudem recht ansprechend in der Farbgebung. Hier gibt es ganz unterschiedliche Farben und Muster, angefangen von dezenten Braun- oder Rottönen bis hin zu hübschen gelb/schwarz geringelten Mustern. Clithon-Schnecken besitzen außerdem einen Deckel, mit dem sie ihr Haus fest und sicher verschließen können, um sich so vor etwaigen Gefahren schützen zu können, das sogenannte Operculum. Sogar eine Vergesellschaftung mit Erbsenkugelfischen ist möglich.

Frassspuren

Fraßspuren von Renn- oder Geweihschnecken an der Aquarienscheibe.

Für eine effektive "Putzkolonne" im Aquarium empfiehlt es sich, ein Exemplar auf etwa 10 Liter Aquarienvolumen einzusetzen. Dann sind in einem eingefahren Aquarium auch genügend Biofilme vorhanden, damit die Schnecken nicht verhungern. Wer seinen Tieren etwas Gutes tun möchte oder schwache Geweihnschnecken päppeln muss, sollte zufüttern: entsprechend präparierte Algensteine sind ideal. Hierzu schmiert man einen Brei aus Spirulina-Pulver und Wasser auf flache Steine und lässt diesen über Nacht trocknen. Nach der Trocknungsphase kann der Algenstein nun zum Abweiden ins Aquarium gelegt werden. Neben Algensteinen werden auch getrockneter Hokkaido-Kürbis sowie grünes getrocknetes Walnusslaub gerne gefressen. An Kunstfutter gehen Geweihschnecken in der Regel nicht.
Leider handelt es sich bei den im Handel zu kaufenden Geweihschnecken immer um Importe, die oft vom Transport gestresst ankommen. Verweilen diese Tiere in sehr dichter Population in einem Händlerbecken, bekommen die Schnecken über längere Zeit nicht genügend zu fressen und sind entsprechend geschwächt. Insofern sind Geweihschnecken vor allem in der Eingewöhnungszeit nach der Neuanschaffung mitunter etwas anfällig und empfindlich. Auch gegenüber sehr hohen CO2-Konzentrationen im Aquarienwasser zeigen sich Clithon-Schnecken teilweise als sensibel. Hierauf sollte der Aquarianer vor allem in der Anfangszeit etwas Rücksicht nehmen. Haben sich die Tiere jedoch einmal eingewöhnt, steht die Population stabil und sorgt für ein deutlich algenfreieres Aquarium mit sauberen Scheiben, Steinen und Wurzeln. Auch ansonsten verhalten sich diese Tiere eher unauffällig und bereiten keine Probleme.
Gerade in Pflanzenaquarien und Aquascapes, in denen Soilböden verwendet werden und in denen daher eine geringe Gesamthärte und Karbonathärte vorliegt, ist etwas Vorsicht geboten. Hier kann es bei zu ungünstigen Wasserparametern (sehr weich und sauer) zu Gehäuseschäden bei den Schnecken kommen, welche die Lebenserwartung geringer ausfallen lassen. Abhilfe schafft hier das Anpassen der Wasserwerte, damit den Wirbellosen genügend Kalk zum Aufbau der Schneckenhäuser zur Verfügung steht.

Geweihschnecken sind in einem Süßwasseraquarium nicht fortpflanzungsfähig, für das Überleben der Larven ist Brackwasser bis Meerwasser vonnöten. In der Aquaristik ist die Nachzucht bisher noch nicht gelungen. Dass sich die Tiere nicht vermehren, kann sowohl als Nachteil als auch als Vorteil angesehen werden. Somit entsteht auf keinen Fall eine Schneckenplage. Auf der anderen Seite ist man gezwungen, bei Verlust immer neue (Import)-Tiere nachkaufen zum müssen. Nichtsdestotrotz legen weibliche Wasserschnecken der Gattung Clithon von Zeit zu Zeit weißliche Eikokons im Aquarium ab, aus denen sich jedoch keine Jungschnecken entwickeln. Diese winzigen Eier haben eine längliche Form, sind sehr hart, fest haftend am Untergrund befestigt und auch sonst sehr widerstandsfähig. Es dauert durchaus eine Weile, bis diese wieder verschwinden - häufig werden die Kokons von den Schnecken selber gefressen. Vorzugsweise legen die weiblichen Clithon ihre Eier an Gegenständen wie den Aquarienscheiben, der Technik oder an Steinen und Wurzeln ab. An den Eigelegen dieser Schnecken scheiden sich ein wenig die Geister. Manche Aquarianer haben damit keine Probleme, andere hingegen stören sich an der Optik. An den Glasscheiben kann man sie zum Beispiel mit einem scharfen Klingenreiniger gut abschaben, auf unebenen Flächen ist die Entfernung ungleich schwieriger.

Schneckeneier

Typische Eigelege in der Großaufnahme.

Rennschnecken im Aquarium

Rennschnecke

Eine hübsches Exemplar einer Neritina variegata. Copyright by Chris Lukhaup.

Bei den sogenannten Rennschnecken handelt es sich um Wirbellose der Gattungen Neritina beziehungsweise Vittina. Sie haben recht ähnliche Eigenschaften und Anforderungen an die Haltungsbedingungen wie die kleineren Geweihschnecken. Sie ernähren sich ebenfalls von Biofilmen und sind somit ausgezeichnete Algenfresser im Aquarium, wenn es um Algenbeläge geht. Auch hier sollte der Aquarianer beim Kauf darauf achten, keine ausgehungerten, sondern stabile, vitale Tiere zu erhalten.
Rennschnecken besitzen keine "Geweihe", sprich, keine Stacheln, und sie sind in vielen unterschiedlichen Farbvariationen erhältlich. Auf dem Gehäuse befinden sich teilweise auch sehr hübsche Ornamente.
Im Vergleich zu Geweihschnecken sind Rennschnecken wesentlich größer, nicht nur von der Gesamtlänge (bis zu 3,5 cm), sondern auch vom Umfang her. Gemessen an der Optik eines Nano-Aquariums kommen diese Schnecken als wahrhaftige "Brummer" daher. Sie sollten daher nicht in zu kleinen Aquarien gehalten werden. Außerdem haben einige Arten wie etwa die Militärhelm-Schnecke die in einem Aquascape leider etwas ungute Angewohnheit, entlang der Aquarienscheiben auch knapp unterhalb des Bodengrundes entlang zu kriechen und dort zu buddeln. In diesem Bereich liebevoll platzierte Wasserpflanzen und Dekoration wie kleine Steine werden hierdurch durcheinander gebracht oder gar ausgegraben, und die liebevolle Gestaltung des Aquascapers wird dadurch zunichte gemacht. In dieser Hinsicht sind die deutlichen kleineren Geweihschnecken in einem Aquascape deutlich angenehmer, obgleich die größeren Rennschnecken die effizienteren Vernichter von Algenbelägen sind.

Rennschnecken im Bodengrund

Eine Rennschnecke gräbt dicht am Bodengrund entlang.

Auch weibliche Rennschnecken legen ab und an ihre harten Eikokons an Gegenständen im Aquarium ab, aus denen sich aus denselben Gründen wie bei Geweihschnecken ebenfalls keine Jungtiere entwickeln können. In einem Süßwasseraquarium können sich diese Tiere also nicht weiter fortpflanzen. Ähnlich wie Schnecken der Gattung Clithon haben auch Rennschnecken einen Deckel, mit dem sie ihr Schneckenhaus fest und sicher verschließen können.

Rennschnecken sind im Vergleich zu Geweihschnecken wesentlich robuster und unempfindlicher, etwa was die CO2-Konzentration im Aquarienwasser angeht. Auch ist ihre Tendenz, Gehäuseschäden auszubilden, scheinbar etwas geringer. In der Summe sind Rennschnecken daher als etwas pflegeleichter zu betrachten als Wasserschnecken der Gattung Clithon.

Copyright Header Pic: Chris Lukhaup.